Grundprinzipien der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

1. Bedingungen und Freiraum schaffen

Von der Einrichtung werden Freifläche, Handlungs- und Spielräume und eine Vielfalt von Angeboten bereitgestellt. Ein Bauspielplatz stellt in erster Linie eine Freifläche zur Verfügung, deren Hauptmerkmal im Vergleich zu anderen Spielplätzen ist, durch das Tun der Kinder veränderbar und gestaltbar zu sein. Darüber hinaus ist er anregender Ort vielfältiger Angebote, Treffpunkt, Ort zum Ausruhen, Reden oder sich Zurückziehen. Pädagogisch betreute Spielplätze bieten gezielt Freiräume an, innerhalb derer sich Kinder überwiegend selbstbestimmt entdecken, erleben, ausprobieren und entwickeln können. Ein Freiraum wird dabei auch als Beziehungsraum verstanden, in dem Begegnungen und Beziehungen unterschiedlicher Art möglich sind und gestaltet werden können, nicht aber unbedingt zwingend sind. Freiraum bedeutet ein Stück selbstbestimmter Raum, in dem Kinder nicht unter permanenter Kontrolle durch Erwachsene stehen. Kinder können für sich sein, werden aber nicht alleingelassen.

2. Offenheit und Freiwilligkeit

Das Prinzip der Offenheit beinhaltet zum einen räumliche Zugänglichkeit und Verfügbarkeit, zum anderen Zielgruppenoffenheit für potentiell alle jungen Menschen und eine Vielfalt von Aktivitäten vor Ort. Räumliche Zugänglichkeit und Verfügbarkeit im Umfeld und Alltag sollen eine Nutzungsgelegenheit für alle interessierten Kinder bieten. Aktivitätenvielfalt gehört zur Offenheit, um möglichst vielen Kindern mit unterschiedlichen Bedürfnissen einen für sie attraktiven Ort der Freizeitgestaltung zu bieten. Zielgruppenoffenheit bedeutet eine Offenheit für potentiell alle jungen Menschen der Zielgruppe, unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Identität, Religion, Nationalität, individueller Fähigkeiten und sozialer oder ethnischer Herkunft oder finanzieller Möglichkeiten. Daher ist auch die Kostenfreiheit ein mit der Offenheit untrennbar verbundenes Prinzip. Der Besuch ist freiwillig, jeder kann in den Öffnungszeiten kommen und gehen, wann er will. 

3. Pädagogische Begleitung

In einer Zeit zunehmender Unübersichtlichkeit und fehlender Orientierungen benötigen Kinder andere Menschen, die als Vorbilder oder als Reibungsfläche, vor allem aber als authentisches Gegenüber zur Verfügung stehen. Die pädagogischen Fachkräfte auf betreuten Spielplätzen stellen sich in dieser Rolle zur Verfügung. Sie akzeptieren Kinder in ihrer Selbstständigkeit und sehen sie gleichzeitig in ihrer Bedürftigkeit. Die Kinder können sich ungestört ausprobieren, sie sollen die Möglichkeit zu zwanglosem, selbstbestimmtem Handeln haben, aber sie werden nicht allein gelassen. Durch das Prinzip der Offenheit haben Kinder die Möglichkeit, selbst Art, Nähe und Dauer des Kontaktes, der Intensität und Offenheit der Beziehung zu den pädagogischen Fachkräften zu bestimmen. Diese organisieren die Angebote, stellen Materialien zur Verfügung, geben Anregungen, begleiten die Kinder und Jugendlichen bei ihrem Tun und stehen als Ansprechpartner*innen für alle Fragen zur Verfügung. Sie vermitteln die Grundregeln für die Nutzung des Platzes und den Umgang miteinander und handeln spezielle Regelwerke zusammen mit den Nutzer*innen immer wieder neu aus. Die Betreuer*innen übernehmen nicht die Aufsichtspflicht.

4. Partizipation

Kinder und Jugendliche werden von den Betreuern nicht als Objekte erwachsener Bevormundung betrachtet, sondern als gleichberechtigte Menschen, die so weit als möglich in die Gestaltung des Platzlebens und der Angebote mit einbezogen werden. Ihr Recht auf Selbstbestimmung wird, wie das jedes Menschen, in dem Maße geachtet, wie es Andere nicht beeinträchtigt. Kindern soll die Möglichkeit gegeben werden, Mitbestimmung zu erproben, Dinge selbst in die Hand zu nehmen, zu organisieren, zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. Partizipation bietet ein Lernfeld der Einübung von demokratischem Handeln. Elemente wie Mitwirkung, Mitbestimmung und auch Eigenverwaltung fördern Mündigkeit, Interesse, Engagement, Identifikation und Selbstvertrauen; sie machen zudem Regelwerke, Abläufe und Entscheidungen transparent.

5. Lebensweltlich- und Sozialraumorientierung

Der Platz ist Spielort für Kinder und Jugendliche, die während der betreuten Öffnungszeiten die Hauptnutzergruppe sind. Und er ist Lebens- und Kommunikationsstätte im Stadtteil, der vielfältige Möglichkeiten für Menschen aller Generationen bereithält. Lebensweltorientierte Jugendarbeit knüpft an den vorgefundenen Lebensverhältnissen ihrer Adressaten an. Die Prinzipien der Lebensweltorientierung und Sozialraumorientierung greifen die unmittelbaren Erfahrungen der Kinder mit sich und ihrem Umfeld auf. Ressourcen im Alltag der Kinder, Orte oder Räume, die für Kinder von Bedeutung sind oder sein können, sowie familiäre Hintergründe werden in die Arbeit mit einbezogen. Perspektiven, Wertungen und Sinnzuschreibungen der Kinder dienen als Grundlage und Ausgangspunkt der Arbeit. Der Sozialraum wird als Aneignungs-, Entfaltungs- und Anregungsraum verstanden.

6. Geschlechtergerechtigkeit

Im Kindes- und Jugendalter gehört das Entwickeln einer Geschlechtsidentität zu den zentralen Entwicklungsaufgaben. Es wird dementsprechend als ein zentrales Thema aufgegriffen. Kinderund Jugendarbeit sollte dabei auf die besonderen Bedürfnisse von Mädchen und Jungen eingehen um sie bei der Entwicklung einer individuellen Identität zu unterstützen. Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen zu fördern und Benachteiligungen abzubauen ist eine gesetzlich verankerte Zielsetzung der Jugendhilfe. Mit dem Prinzip der Geschlechtergerechtigkeit wird vor allem die Tatsache berücksichtigt, dass Mädchen und Jungen in unterschiedlichen Lebenslagen aufwachsen. Geschlechterreflektierte Arbeit versucht, Benachteiligung abzubauen, Gleichberechtigung zu fördern und eine selbstbestimmte Geschlechtsidentität mit vielfältigen Facetten zu fördern.